COMFORT TUNES

Wenn ich einen Song höre, den ich liebe, löst es bei mir ungefähr das gleiche Gefühl aus, wie wenn ich mein Lieblingsessen (Pizza) esse. Ich würde behaupten, das Glücksgefühl ist beim Musikhören sogar stärker. Und man muss wissen, ich esse Pizza wirklich sehr gerne! Doch bei manchen Songs fühle ich mich komplett erfüllt, so kitschig es auch klingen mag, ich spüre jeden Ton in meinem ganzen Körper. Dieses Glücksgefühl kommt womöglich von Erinnerungen, die ich mit Songs wie Into the Mystic oder Closing Time verbinde. Bei Devil In A Midnight Mass fühle ich mich wieder umgeben von einer Menschenmenge beim Billy Talent-Konzert in Frankfurt. Händels Wassermusik versetzt mich zurück in den Musikunterricht (was zugegeben wahrscheinlich nicht bei jedem ein gutes Gefühl auslöst). Manchmal gefallen mir Songs wie Life On Mars? besonders wegen ihrer Hintergrundgeschichte. Vielleicht lässt sich der Glückszustand aber auch darauf zurückführen, dass mir die Akkordfolge bei Kiss Me oder Rich Girl einfach gefällt. Ich weiß es nicht. Was ich weiß ist, dass mein Verhältnis zu diesen Songs tatsächlich genauso ist, wie mein Verhältnis zu Pizza. Natürlich bin ich auch gerne experimentierfreudig – ich höre auch mal zweistündige Jazzstücke oder wage mich an die ein oder andere südostasiatische Köstlichkeit. Doch wie das berühmte „Comfort Food“ lösen manche Songs ein Gefühl von Geborgenheit und Behaglichkeit bei mir aus. Während mir Pizza jedoch eher schwer im Magen liegt und ich einfach nur flach im Bett liegen möchte, flattere ich mit mittelmäßigem tänzerischem Können durch die Wohnung, wenn ich meine persönlichen Comfort Tunes höre.

 

THE BEATLES – EIGHT DAYS A WEEK

Geschrieben vom Songwriter-Duo Paul McCartney und John Lennon, erscheint Eight Days A Week 1964 auf dem Album „Beatles for Sale“. Auf die Idee für die Lyrics kam McCartney, als er seinen Chauffeur fragte, ob dieser eine anstrengende Woche hatte. Der Fahrer entgegnete nur: „Anstrengend? Ich arbeite gerade acht Tage die Woche.“ Die Beatles griffen diesen Ausdruck auf, setzten ihn aber in einen anderen Kontext:

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Eight days a week
I love you
Eight days a week
Is not enough to show I care

Das Liebeslied war einer der ersten Pop-Songs überhaupt, die mit einem Fade-in anfingen. Das heißt, der Song wird immer lauter – sozusagen akustisch eingeblendet. Mit der Stimme von John Lennon  ertönen gleichzeitig Händeklatschen, Gitarren, Bass und Schlagzeug. Eight Days A Week erreichte 1965 in vielen Ländern, inklusive der USA, Platz eins der Charts. Die Beatles selbst hielten allerdings nicht viel vom Song, weshalb sie ihn auch nur ein einziges Mal live spielten. Doch wie wahrscheinlich jeder Beatles-Lied, ist auch dieser mittlerweile Kult und aus keiner Plattensammlung mehr wegzudenken.

 

 

NIRVANA – THE MAN WHO SOLD THE WORLD

1989 erscheint die Erstausstrahlung der MTV-Live-Akustik-Serie „MTV Unplugged“. Musiker wie Elton John, Aerosmith, Roxette oder Duran Duran trugen im Rahmen der Sendung eigene und gecoverte Songs ausschließlich auf Akustikinstrumenten vor. 1993, nicht mal ein Jahr vor Kurt Cobains Tod, tritt Nirvana in den Sony Music Studios in New York auf. Angeblich weigerte sich die Grunge-Band aus Seattle, ihren Hit „Smells Like Teen Spirit“ zu spielen, und coverte stattdessen Songs der Meat Puppets, Leadbelly und The Vaselines.

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Auch David Bowies „The Man Who Sold the World“ gehörte zu Nirvanas Repertoire, da das gleichnamige Album zu Cobains Lieblingsaufnahmen zählte. Durch MTV Unplugged erhielt der Bowie-Song neuen Ruhm – jedoch galt dieser Ruhm eher Nirvana als David Bowie. Der Engländer erzählte: „Kids came up afterwards and said, ‚It’s cool you’re doing a Nirvana song.‘ And I think, ‚Fuck you, you little tosser!'“. Doch Bowie beteuerte, dass er die Version von Nirvana liebte:  „I was simply blown away when I found that Kurt Cobain liked my work. […] It would have been nice to have worked with him, but just talking with him would have been real cool“. Bowie bezeichnete das Cover als “aufrichtige Interpretation, die sich sehr ehrlich anhört”. Wahrscheinlich auch wegen dieser unverklärten Ehrlichkeit zählt Nirvanas „MTV Unplugged in New York“ bis heute zu den besten Live-Alben überhaupt.

 

 

ELVIS PRESLEY – I NEED SOMEBODY TO LEAN ON

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„Wann immer es mir schlechtging, legte ich eine Elvis-Platte auf, und dann fühlte ich mich großartig.”

Dieser Aussage von Paul McCarntey werden wohl die meisten von uns zustimmen. Die Songs von Elvis Presley und vor allem er selbst begeistern Musikfans seit den Fünfzigern. Tatsächlich schrieb Elvis Presley keinen seiner Songs selbst. I Need Somebody To Lean On wurde für den Soundtrack des Musikfilms „Viva Las Vegas“ von den Bluesmusikern Doc Pomus und Mort Schuman geschrieben. Doch egal ob alt oder jung, egal ob man die Lieder im Plattenspieler oder als MP3 über das Smartphone abspielt, man fühlt sich, nachdem man die Stimme von Elvis gehört hat immer besser. Egal ob wir ihn noch live erlebt haben oder seine Konzerte auf Youtube anschauen, der King of Rock ’n’ Roll hypnotisiert uns bis heute und hat wohl bei uns allen einen Platz im Herzen. Auch deshalb wird er nie in Vergessenheit geraten. In einem Rolling Stone-Artikel von 1977 schreibt der Musikjournalist Greil Marcus:
„He was the King, I mean, in our hearts, which is the place where the music really comes to life.”

 

Die komplette Comfort Tunes Playlist gibts auf Spotify!

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