„DIE MUSIK MUSS IMMER ZUM VIBE PASSEN“ – RAPPER LLOYD P-WHITE IM INTERVIEW

Vor einem Jahr brachte er seinen ersten Song On X heraus und heute produzieren die Produzenten von Rihanna oder Justin Bieber seine Songs. Nach zwei Jahren in London ist Lloyd P-White zurück in seiner Schweizer Heimat Basel. In seinem Zimmer erholte er sich mit 17 Jahren von der Krankheit Meningitis und brachte sich während dieser Zeit das Songschreiben und Produzieren bei. Heute nimmt der 24-jährige Sänger jetzt seine eigenen Tracks auf. Auf was es dem Rapper bei seinem musikalischen und modischen Image ankommt, erzählt er uns im Interview.

 

SOUND CLOSET: Dein neuester Song Wild ist am 30. Oktober 2017 erschienen und hat schon über 7.800 Aufrufe auf YouTube. Wie fühlt sich das an?

LLOYD P-WHITE: Views, Likes und Followers sind für mich in erster Linie nur Zahlen. Da kann man sich nicht wirklich etwas darunter vorstellen. Höchstens dann, wenn man sie beispielsweise mit der Einwohnerzahl der Schweiz vergleicht. Was mir aber viel mehr bedeutet, sind die Nachrichten über Social Media, in denen Leute meine Musik hören. Kürzlich schrieben mir zum Beispiel einige, dass Wild in einem Club gespielt wurde – das ist richtig toll.

 

In diesem Song singst du von wilden Zeiten, wechselst zwischen Rap Beats und melodischen Passagen und trägst im Musikvideo einerseits einen Hoodie mit der Aufschrift „Revenge“ oder eine Camouflage-Jacke. Wie komplettieren diese Outfits den Song?

Die Looks sind in erster Linie vom Stil der Musik inspiriert. Dabei stammt der Pullover von der Hip Hop Marke Revenge. Die Jacke ist vom Label Hero’s Heroine, das für ein gewisses Rockstar-Image steht. Privat verbinde ich diese beiden Styles sehr gerne und wollte sie deshalb auch im Video passend zum Song kombinieren.

 

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Ein weiteres Element ist die Gesichtsmaske, die du bereits in deinem ersten Song On X trägst. Was für eine Bedeutung hat sie für dich?

Tatsächlich habe ich mehrere dieser Masken und auch Brillen oder Helme im selben Steam-Punk Stil. Die erste fand ich vor ein paar Jahren in einem Goth-Shop im Londoner Stadtteil Camden – die hatten echt heftige Gothic-Teile. Dann sah ich diese Maske und fand sie irgendwie cool. Dabei würde ich ja kein komplettes Outfit in diesem Stil tragen. In Kombination mit meinem Look kriegt das Ganze aber einen coolen, edgy Charakter.

 

 

Beim Musikvideo von Save You – das Ray Uscata produziert hat – hast du die Maske weggelassen und zeigst dich ohnehin von einer etwas ruhigeren Seite. Was hat dich dazu bewogen, einen Pop-Song zu schreiben?

Save You sollte gezielt kommerzieller als meine bisherige Musik sein. Natürlich entspricht das Lied trotzdem meinem Style. Ich wollte jedoch einen typischen Pop-Song schreiben, um ein größeres Publikum zu erreichen – Save You ist sowohl für Frauen als auch für Männer und passt zur Musik, die im Radio gespielt wird. Letztlich will ich dadurch bewirken, dass die neuen Hörer auf meine anderen Songs aufmerksam werden und so meine wirkliche Rap Seite kennenlernen.

 

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Wie deine vorherigen Songs hast du auch Save You zu Hause in deinem „DIY-Studio“aufgenommen. Wie kann man sich das vorstellen?

Womöglich kann man es nicht wirklich als Studio bezeichnen, denn mein Equipment besteht lediglich aus einem Mikrofon und Laptop. Ich habe auch keine isolierten Wände oder andere Zusätze, die ich aus Studios kenne, in denen ich früher ab und zu aufgenommen habe. Doch heutzutage ist es gut möglich, die Aufnahmen zu Hause zu machen. Mittlerweile habe ich schon ein paar Jahre Übung und weiß, wie ich eine gute Qualität erreiche. Das Tolle daran ist, dass ich jederzeit aufnehmen kann. Wenn ich eine Idee habe, probiere ich sie sofort aus und bin an kein externes Studio gebunden.

 

Bei Save You übernahmen die Produktion Mantra – der schon mit Rihanna zusammengearbeitet hat – und Mason Levy, der vor allem für Justin Biebers Produktionen bekannt ist. Wie kam es dazu?

Eigentlich hatte ich zu Beginn nur mit Mantra Kontakt, der zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht bekannt war. Seine Produktion von Rihannas Song Selfish, wurde erst veröffentlicht, als ich schon mit ihm zusammenarbeitete. Zuvor schaute ich mir seine Produktionen an und kontaktierte ihn, weil mir ein Beat aus seinem Katalog besonders gut gefiel. Das wurde schließlich der Beat von Save You. Als der Song schon fast ganz fertig war, stand in den Credits plötzlich: „Produziert von Mantra und MDL“. Ich musste zuerst einmal nach dem Namen suchen und verstand dann, dass damit Mason Levy gemeint ist, der schon viele Songs für Justin Bieber produziert hat. What Do You Mean gehört zum Beispiel zu seinen bekanntesten eigenen Produktionen. Nun ja, das war eine ziemlich lustige Überraschung.

 

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Kürzlich hast du auf deinem Instagram-Account @lloydpwhite eine Story gepostet und verraten, dass bei Save You Justin Biebers Vocals dabei sind. Wann hast du das rausgefunden?

Als ich die instrumentale Version zum ersten Mal gehört habe, dachte ich kurz, dass sich die Vocals beim Refrain ähnlich wie Justin Bieber anhören. Für möglich gehalten, habe ich es allerdings überhaupt nicht. Danach habe ich wie gesagt erfahren, dass der Song von seinem Produzenten Mason Levy Co-produziert wurde – aber nicht einmal dann konnte ich eins und eins zusammenzählen. Erst vor ein paar Tagen las ich auf Instagram einen Kommentar: „Hört ihr die Vocals von Justin“. Ich checkte nochmal jeden einzelnen Teil des Liedes und kapierte erst dann, dass Justin Bieber wirklich beim Refrain meines Songs zu hören ist. Das war schon ein „crazy“ Gefühl.

 

 

Das Video von Save You spielt in London, wo du zwei Jahre lang gelebt hast. Wie hat sich dein Kleidungstil unter dem Einfluss der Modestadt verändert?

Er hat sich ziemlich stark entwickelt. Zum Beispiel bin ich auf die bereits erwähnte Gesichtsmaske erst in London aufmerksam geworden. Außerdem lebte ich lange in Dalston – das ist direkt neben dem Hipster-Viertel Shoreditch. Dalston selbst gehört zu den „next Level“ Hipster-Gebieten. Die Looks sind oft sehr ausgefallen, doch sie passen perfekt zum eigenen Style von London. In dieser Stadt läuft modetechnisch unglaublich viel und das hat sich auf jeden Fall in meinen persönlichen Look eingeflochten.

 

Und wie hast du London aus musikalischer Sicht erlebt?

Das Grime Genre hat mich sehr inspiriert. Es ist zwar ähnlich wie Hip Hop, aber trotzdem eine eigene Musikrichtung, die es in dieser Form bisher nur in London gab. Jetzt merkt man aber, wie es sich immer mehr außerhalb von England verbreitet. Als ich in Dalston gelebt habe, hörte ich auch viel Indie, weil es perfekt zum „Vibe“ des Viertels passte. Allgemein ist es für mich wichtig, dass die Musik immer zur Stimmung passt.

 

In Artikeln, wie jenen vom Vents Magazine, wird auch auf deine Inspiration der Beatles aufmerksam gemacht. Wie kam es zu diesem Bezug?

Die Familie meiner Mutter stammt aus Liverpool. In dieser Stadt gibt es eigentlich nur zwei Sachen: der Fußball Club – von dem ich auch ein Fan bin – und die Beatles, die einfach Kult sind. Als Kind war ich fast jedes Jahr in Liverpool und besuchte unter anderem den Cavern Club, in dem die Beatles früher ihre Auftritte hatten. Sie sind schlicht und einfach Legenden.

 

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Das waren sich auch hinsichtlich ihrer Vorbildfunktion zahlreicher Modetrends – von kragenlosen Jackets bis zu farbenfrohen Outfits und John Lennons runder Sonnenbrille. Wie wichtig ist dir der persönlicher Look für dein Image als Künstler?

Das waren sie auf jeden Fall! Heutzutage finde ich es fast noch wichtiger, sein eigenes Image zu haben – ohne funktioniert es nicht. Denn es wird immer schwieriger, herauszustechen. Deshalb sieht man plötzlich einen Hip Hopper mit einer Frisur in Regenbogenfarben. Zudem ist der Wiedererkennungswert entscheidend auf Social Media. Bei mir ist es im Moment zum Beispiel die Gesichtsmaske, die meinen Look ausmacht. Wie sich das in Zukunft entwickelt, weiß ich noch nicht. Mit der Zeit werde ich bestimmt immer ein klareres Image haben, aber das geht für mich nicht von einem Tag auf den anderen.

 

Wenn wir gerade von Zukunft sprechen: Das Jahr hat soeben begonnen, was erwartet uns 2018 von dir?

Bis jetzt kann ich das noch nicht genau sagen. Ich bin mir aber sicher, dass ich regelmäßiger neue Musik veröffentlichen werde. Ob es gut ankommt, müssen die Leute letztlich entscheiden. Sobald ich mehr Titel habe, werden zudem die Live-Shows immer wichtiger. Ich bin selbst gespannt, es wird bestimmt ein spannendes Jahr.

 

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Fotos © Lloyd P-White

 

 

 

 

 

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